Carl Albert Eugen Duderstadt, Lübeck 1932
„Nilfahrt“ Eugen und Hanna Duderstadt auf einem Boot in Assuan, Ägypten
Kesi-Häuptling, heute Kenia
„Herr und Frau Lieberkühn“ an Bord
„Lunch auf dem Matoposhügel bei Bulawayo“ in Rhodesien, heute Simbabwe
„Das Zebra des Leutnant von Wedell“ an Bord der Prinzregent auf dem Rückweg nach Europa
„Beira“, heute Mosambik
„Sisalplantage“ in Daressalam, heute Tansania
De Beer’s Diamantenmine in Kimberley, Südafrika, heute als The Big Hole bekannt
Hotel Hamburger Hof, Otjivarongo, heute Namibia
„Eingeborene bei Kissumu, am Victoris-Nyansa, Port Florence“, heute Kenia
Hanna Duderstadt an den Victoriafällen, 29.08.1911

Eugen Duderstadt (1864-1938) wurde in Berlin geboren und kam als Besitzer des Gutes Nütschau in Ostholstein zu Wohlstand. Er war ein passionierter Sammler von Münzen, Büchern und Autogrammen. Stets offen für technische Neuerungen wird Duderstadt als „praktischer Landmann“ beschrieben. 1904 verkaufte er das Gut und zog mit seiner Frau Hanna und den beiden Söhnen Henning und Walter nach Lübeck.

1911, auf dem Höhepunkt der deutschen Kolonialzeit, unternahm das Ehepaar eine Reise rund um Afrika. Größere Etappen bewältigten sie mit den Postdampfern der Deutschen Ost-Afrika-Linie, wo sie alle Annehmlichkeiten einer Kreuzfahrt genossen. Auch an Land reisten sie stets adrett gekleidet, mal mit den damals neuesten Autos und Eisenbahnlinien, mal im Einbaum oder auf dem Rücken eines Esels zu so unterschiedliche Zielen wie den Slums von Windhuk, den Victoriafällen und den Pyramiden von Gizeh.

Von ihrer Reise brachten sie 100 Objekte und 833 Fotografien mit nach Lübeck, die ihr Sohn Henning 1960 der Völkerkundesammlung vermachte. Dieser noch nie gezeigte Bilderschatz eröffnet amüsante bis bizarre Einblicke in die luxuriöse Lebenswelt früher Tourist*innen. Die Fotos zeigen die Naturschönheit und die kulturelle Vielfalt Afrikas ebenso wie die vermeintlichen Errungenschaften der Kolonialherren. Aber auch der beginnende Raubbau an der Natur und die Unterdrückung der Einheimischen deuten sich in einigen Bildern an. Bei einigen Aufnahmen handelt es sich auch um vor Ort erworbene Postkarten oder Studiofotografien, auf denen Afrikaner*innen in einer an den europäischen Geschmack angepassten Art inszeniert wurden.

Unübersehbar sind die Ähnlichkeiten zwischen diesen alten Aufnahmen und den Bildern heutiger Reiseblogs. So soll diese Präsentation dazu anregen, über das Verhältnis von Tourismus und Kolonialismus nachzudenken, aber auch die heutigen Afrikabilder in unseren Köpfen auf „koloniale Filterblasen“ hin kritisch zu hinterfragen.