Runenkalender der Sámi

Finnland, 17. Jh.; Rentierknochen, Leder, L: 12,7 cm, B: 2,8 cm; Inv. Nr.: 322, Geschenk: H. F. Lindenberg, 1831 (Sammlung Jacob von Melle, Ende 17./Anfang 18. Jh.)

Das Objekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sámi Ideen von ihren Nachbarn übernahmen und mit eigenem Material und Stil zum Bestandteil ihrer Kultur machten. Der Kalender besteht aus sechs Rentierknochenplatten, von denen die inneren vier auf beiden Seiten und die äußeren auf je einer Seite mit Ritzungen versehen sind. Auf diesen zehn Seiten verteilen sich 364 in Wochen unterteilte Tage in ein Winter- und ein Sommerhalbjahr. Der Kalender wird von oben nach unten und von links nach rechts gelesen. Er beginnt mit einer gekreuzten Markierung ungewöhnlicherweise am 18. Januar und endet am 17. Januar. Die Festtagszeichen weisen immer auf der ersten Seite nach oben und auf der zweiten Seite nach unten. Damals wichtige Festtage wie u.a. Siegfried (15. Februar), Erich (18. Mai) und Birgitta (7. Oktober) sind bei diesem Kalender markiert. Bemerkenswert ist, dass der Tag des Heiligen Michael (29. September), der in etwa dem Beginn der Rentierbrunft entspricht, mit einem Rentier, dem wertvollsten Besitz der Sámi, gekennzeichnet ist. Der Kalender wird mittels Lederriemen zusammengeklappt und beansprucht wenig Platz.