Menschenfresser-Katsina

USA, Arizona, 60er oder 80er Jahre des 20. Jh.; Holz, bemalt, Federn, Leder, Wolle, Pelz, Haare, H ohne Federn: 31 cm; Inv. Nr.: 2005.6: 4, Kauf: Volker Volkens, Karlsruhe, 2005 (Die Figur war bis 2003 in Besitz der Tochter von Eldon Kuwanytima)

Katsinam sind Geistwesen und Ahnengeister der Pueblo-Indianer, die seit Jahrhunderten als Maispflanzer in den trockenen Regionen des südwestlichen Nordamerikas leben. Als Vermittler zwischen den Welten tragen sie die Gebete der Menschen für Regen, Fruchtbarkeit und Gesundheit zu den Göttern. Sie können auch selbst Regen bringen und das Dorf und seine Bewohner vor Krankheiten und Missgeschicken schützen. Zwischen Januar und Juli erscheinen sie, um die Menschen mit Tänzen zu unterhalten und ihre Gebete entgegenzunehmen. Bei den wichtigsten Zeremonien schenken die Katsina-Tänzer den kleinen Mädchen hölzerne, bemalte Nachbildungen der Katsinam, von denen es etwa 250 verschiedene Typen gibt. Zu Hause hängt man die tithu genannten Figuren zur Zierde an den Wänden auf. Katsina-Figuren werden seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch für den Verkauf geschnitzt. Die hier abgebildete, unsignierte Figur hing jahrelang in einem Hopi-Haus. Sie stellt den Menschenfresser Tseeveyo bzw. Tsaaveyo im action-Stil dar. Die Menschenfresser-Katsinam erscheinen im Februar in den Dörfern und besuchen die Häuser, in denen nicht initiierte Kinder wohnen. Sie fordern Gaben ein, zählen die Missetaten der Kinder auf, verteilen Aufgaben und verbreiten Angst und Schrecken. Die Verwandten verteidigen die Kinder und am Ende der Zeremonie werden die Menschenfresser aus dem Dorf gejagt.